HIN UND HER- Sommertheater im Nerotal.

Das Freie Theater Wiesbaden (http://www.freiestheaterwiesbaden.de) ist mein kleiner persönlicher „Auszeit Raum“. Ich habe zwei Produktionen begleitet. Zum einen „Katz und Maus- eine Milieustudie“ von Barbara Haker (darüber mehr in einem anderen Blog) und HIN UND HER, inszeniert und „regiegeführt“ von Jan-Markus Dieckmann.

HIN UND HER ist eine Komödie von Ödön von Horváth aus dem Jahre 1933. Und darum geht es: Ein unbedeutender Grenzübergang irgendwo im Nirgendwo zwischen zwei nicht näher benannten Staaten. Der Unternehmer Havlicek musste sein Geschäft schließen, das er viele Jahre erfolgreich führte und dafür brav und treu seine Steuern bezahlte. Da er jedoch nicht an seinem Wohnort geboren wurde, sondern auf der anderen Seite der Grenze, und nun in die soziale Sicherung des Staates fallen würde, wird er abgeschoben. Da er sich aber nicht erneut in seinem Geburtsort gemeldet hatte, wie es ein (ihm unbekanntes) Gesetz vorschreibt, hat er seine Staatsbürgerschaft verloren und hängt nun im Transit fest. Keiner der beiden Grenzposten fühlt sich zuständig und so wandert er hin und her. So undurchlässig, wie es scheint, ist die Grenze jedoch nicht. Die Tochter des einen Grenzers wechselt allabendlich die Seite, um ihren Geliebten – den Grenzer der anderen Seite – zu besuchen, sehr zum Missfallen ihres Vaters. Das Personal wird durch eine bankrott gegangene Wirtin, ein im Grenzbach angelndes Paar, eine Schmugglerbande und die heimlich konferierenden Staatschefs der beiden Seiten ergänzt.

Das Ensemble des Freien Theater Wiesbaden inszenierte eine gestraffte Fassung dieses sehr heutigen Stückes im Juli 2016 unter freiem Himmel mit einer sechsköpfigen Besetzung. Jan-Markus Dieckmann (http://jan-markus-dieckmann.de), Mario Kriechbaum (http://www.mario-krichbaum.de). Benjamin Rollmann (http://www.benjamin-rollmann.de), Luise Schlingmann (www.theapolis.de/profil/show/profil_id/65932), Oliver Klaukien, Renate Bahm (http://www.renatebahm.de).

Der WTHC (Wiesbadener Tennis- und Hockey Club e.V.) stellte einen Teil seines Geländes als Spielort zur Verfügung. Das freie Theater Wiesbaden spielt gerne an den unterschiedlichsten Orten in der Stadt und gibt Geschichten einen Ort. Das Gelände des WTHC bot eine optimale Kulisse mit einem natürlichen Bachlauf mit Brücke, der die Vorgaben Horváths erfüllte und ein stimmungsvolles Ambiente bereithielt. Und wirklich, man konnte sich an diesem Ort zusammen mit der Lichtstimmung, dem sehr modernen Bühnenbild, das eigentlich nur aus der Brücke und von hinten beleuchteten Zelten bestand, sowie der Musik von Misha Cvijovic (http://mishacvijovic.com) völlig auf die Geschichte einlassen, die aktueller denn je ist. Ich hatte eine Gänsehaut und freue mich auf das nächste Projekt im Nerotal.